Honor View 10 im Test: Dieses Smartphone hat viel zu bieten

Neues Top-Smartphone ausprobiert

Honor View 10 1

Wer ein Top-Smartphone für 500 Euro sucht, greift in der Regel zum aktuellen Modell von OnePlus. Doch der selbst ernannte Flagship-Killer erhält nun Konkurrenz. Das Honor View 10 sieht fast so aus wie das iPhone X und arbeitet so schnell wie das Galaxy S8. Im Test hat das 499-Euro-Smartphone aber noch weitaus mehr zu bieten.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Ausstattung, Leistung und Bedienung
  3. Software
  4. Face Unlock
  5. Sprachqualität
  6. Akkulaufzeit
  7. Kamera
  8. Preis und Verfügbarkeit
  9. Fazit & Alternativen

Die Huawei-Tochter Honor war bislang vor allem für Smartphones bis zu 300 Euro bekannt. Mit dem Honor View 10 hat das Unternehmen nun ein Smartphone im Premium-Segment für rund 500 Euro im Angebot. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf das Modell. Das neue Honor-Handy bietet ein 6-Zoll-Display. Trotz der großen Bilddiagonale fallen die Abmessungen des Smartphones dennoch vergleichsweise kompakt aus.

Mit 157 x 75 x 7 Millimetern ist das View 10 deutlich kleiner als etwa das iPhone 8 Plus mit seinem 5,5-Zoll-Display (158,4 x 78,1 x 7,5 Millimeter). Möglich wird dies zum einen dadurch, dass das View 10 links und rechts des Displays kaum noch sichtbare Ränder besitzt. Der Screen geht fast nahtlos in den Rahmen des Smartphones über. Zum anderen weicht Honor beim Bildschirm vom üblichen Seitenverhältnis von 16:9 ab. Der Screen besitzt stattdessen ein Seitenverhältnis von 18:9, ist also in die Länge gezogen.

Design und Verarbeitung

Das Honor View 10 ist nicht das erste Smartphone mit einem solchen Screen. Der südkoreanische Hersteller LG leitete diesen Trend im Frühjahr 2017 mit dem LG G6 ein, Samsung (Galaxy S8) und Apple (iPhone X) zogen nach. So kompakt wie die Top-Modelle der Konkurrenz ist das Honor View 10 dann aber doch nicht. Das liegt unter anderem daran, dass das View 10 unterhalb des Displays noch einen Fingerabdrucksensor aufweist. Dennoch liegt das Smartphone für die Displaygröße sehr gut in der Hand.

Honor View 10 in Bildern

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Dafür sorgen vor allem zwei Dinge: Das View 10 ist mit knapp sieben Millimetern sehr dünn, wodurch es sich auch mit kleinen Händen gut umgreifen lässt. Des Weiteren hat Honor den Einschalter und die Lautstärkeregler am rechten Rand so platziert, dass sie mit dem Daumen bequem zu erreichen sind - zumindest für Rechtshänder. Wer das Smartphone dagegen in der linken Hand hält, erreicht nur den Einschalter ohne große Verrenkungen.

Verpackt ist die Hardware des Smartphones in einem Ganzmetallgehäuse, wie es zum Beispiel bereits das Honor 8 Pro bot. Allerdings wird der Metallrücken hier nicht mehr von Antennenstreifen durchbrochen. Diese hat Honor in den Rahmen ausgelagert. Das Gehäuse ähnelt damit dem des iPhone 7. Einen Schutz gegen Wasser und Staub gemäß IP67 bietet das Honor View 10 aber nicht. Erhältlich ist das Honor View 10 in den Farben "Navy Blue" (Blau) und "Midnight Black" (Schwarz).

Ausstattung, Leistung und Bedienung

Honor verbaut in seinen Top-Smartphones weitestgehend dieselbe Hardware, die auch in den Premium-Smartphones von Huawei zu finden ist. So ähnelt die Ausstattung des Honor 10 View stark der des Mate 10 Pro. Als Prozessor werkelt im View 10 der Octa-Core-Chip Kirin 970 der Huawei-Tochter HiSilicon. Er liefert in den einschlägigen Benchmarks eine ähnliche Performance wie das Galaxy S8 und muss sich lediglich dem iPhone X geschlagen geben.

Benchmark* Honor View 10 Galaxy S8 Apple iPhone X
GeekBench (Single-Core) 1.912 Punkte 1.998 Punkte 4265 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 6.746 Punkte 6.747 Punkte 10.292 Punkte
AnTuTu 211.898 Punkte 173.307 Punkte 227.866 Punkte
* höhere Werte bedeuten in allen drei Benchmarks ein besseres Ergebnis.

Die Performance des Honor View 10 ist in dieser Preisklasse einzigartig. Zumal in den Benchmarks das eigentliche Highlight des Smartphones gar nicht zum Tragen kommt. Neben acht Prozessorkernen und zwölf Grafikkernen besitzt der Kirin 970 nämlich auch einen speziellen Co-Prozessor für künstliche Intelligenz. Diese sogenannte neurale Prozessoreinheit (NPU) soll für einen ordentlichen Performance-Schub sorgen, vor allem bei der Bild- und Spracherkennung. Dazu später noch mehr.

Dem Prozessor stehen im View 10 sechs Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, zwei Gigabyte mehr als sie etwa das S8 bietet. Üppig fällt auch der interne Speicher aus. Honor spendiert euch satte 128 Gigabyte, abzüglich des Speicherplatzes für das Betriebssystem stehen euch davon noch knapp 111 Gigabyte zur Verfügung. Ihr könnt noch mehr Platz schaffen, in dem ihr nicht benötigte vorinstallierte Apps von Drittanbietern löscht. Unter anderem findet ihr auf dem View 10 ab Werk nämlich den Microsoft Translator und Instagram vor.

Wem das immer noch nicht reicht, der kann sogar noch eine Speicherkarte in das Smartphone einlegen. Ein deutlicher Pluspunkt gegenüber dem Mate 10 Pro, das keinen Speicherkartenslot zu bieten hat. Apps könnt ihr auf diese aber nicht auslagern, lediglich Bilder, Musik und Videos finden hier Platz. Alternativ nutzt ihr den Speicherkartenslot, um eine zweite SIM-Karte in das Smartphone einzulegen.

Unterschiede zu Highend-Modellen der Konkurrenz gibt es beim Display, hier setzt Honor auf ein LTPS-Panel anstatt auf einen AMOLED-Screen. Diese Bildschirme zeichnen sich durch einen geringen Stromverbrauch aus und benötigen zudem keine oder nur eine geringe Hintergrundbeleuchtung. Dennoch ist der Screen hell genug, sodass ihr Inhalte auch im Freien problemlos ablesen könnt. Die Farbdarstellung ist jedoch nicht so intensiv wie bei einem AMOLED-Smartphone. Das dürfte die Mehrheit der Nutzer jedoch verschmerzen können. Ebenfalls verzichten müsst ihr auf ein Always-on-Display, stattdessen informiert euch ganz klassisch eine Status-LED über verpasste Nachrichten und Anrufe.

Software

Ab Werk läuft das Honor View 10 bereits mit Android 8.0 Oreo. Während unseres Tests erreichte uns auch ein erstes Update, das diverse Features und den Sicherheitspatch für Januar nachlieferte. Bei der vorinstallierten Android-Version handelt es sich natürlich nicht um Stock Android, Honor hat das Google-OS mit einer eigenen Nutzeroberfläche namens EMUI 8.0 überzogen. Diese orientiert sich in Aufmachung und Bedienung an Apples iOS. So bietet die EMUI keinen App Drawer, alle Applikationen liegen stattdessen auf dem Startbildschirm. Wer auf den Drawer nicht verzichten will, kann diesen aber in den Einstellungen aktivieren. Hier tummeln sich überhaupt eine Vielzahl an Optionen, mit denen ihr fast jedes Detail des Honor View 10 nach eurem Geschmack anpassen könnt.

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Die Version 8.0 der EMUI wurde übrigens zusammen mit dem Mate 10 Pro vorgestellt. Trotz derselben Versionsnummer sind jedoch nicht alle vom Huawei-Smartphone bekannten EMUI-Features auf dem Honor View 10 verfügbar. So könnt ihr das View 10 etwa nicht an einen Monitor anschließen und dann wie an einem Desktop-PC arbeiten. Der Grund: Die Funktion setzt einen USB C-Port mit Unterstützung für USB 3.1 voraus; der Port des Honor View 10 unterstützt lediglich USB 2.0.

Face Unlock

Dafür bietet das Honor-Smartphone aber mit "Face Unlock" ein Feature, das dem Mate 10 Pro bislang fehlt. Hierbei handelt es sich um eine Gesichtserkennung im Stile von Apples Face ID. So erstellt das Smartphone ein 3D-Abbild eures Gesichts und fragt dabei eigenen Aussagen zufolge 300.000 Punkte ab. Damit ist die Technik deutlich sicherer als die Gesichtserkennung anderer Android-Smartphones. Face Unlock ließ sich im Test beispielsweise nicht durch ein Foto austricksen. Zum Vergleich: Beim OnePlus 5T wird euer Gesicht lediglich anhand von 100 Punkten identifiziert, beim iPhone X 30.000.

In der Praxis zeigt Face Unlock dennoch Schwächen. Bei schwachen Lichtverhältnissen dauert es mehrere Sekunden, ehe unser Gesicht erkannt wurde, oftmals scheiterte die Erkennung auch ganz. Völlig unbrauchbar ist sie bei kompletter Dunkelheit. Auch manche Sonnenbrillen bereiteten der Gesichtserkennung im Test Probleme. Vermutlich wird die Mehrheit der Nutzer daher eher auf den Fingerabdrucksensor zurückgreifen.

Bei schwachen Lichtverhältnissen kommt die Gesichtserkennung ins Straucheln.
Bei schwachen Lichtverhältnissen kommt die Gesichtserkennung ins Straucheln. (Quelle: Screenshot)

In China lassen sich mit dem Honor View 10 oder V10, wie das Gerät dort genannt wird, auch animierte Emojis im Stile der Animojis von Apple erstellen. Diese Funktion ist in Deutschland noch nicht verfügbar. Aktuell ist auch unklar, ob sie ähnlich wie die Gesichtserkennung per Update nachgereicht wird.

Verzichten müsst ihr in Deutschland derzeit noch auf das Animoji-Feature, dass Honor bei der Präsentation des Smartphones in China angekündigt hat.
Verzichten müsst ihr in Deutschland derzeit noch auf das Animoji-Feature, dass Honor bei der Präsentation des Smartphones in China angekündigt hat. (Quelle: Screenshot/YouTube)

Sprachqualität

Das View 10 verfügt über ein zweites Mikrofon. Dieses befindet sich an der Oberseite und soll dabei helfen, Nebengeräusche wie Wind oder Autolärm beim Telefonieren zu eliminieren. Dies klappte im Test ausgezeichnet. Selbst bei starkem Wind am Hamburger Hafen konnte uns der Gesprächspartner klar und deutlich verstehen. Anders als bei vielen Konkurrenten geht die Unterdrückung von Störgeräuschen nicht zu Lasten der Natürlichkeit der Stimmen. Diese bleiben glasklar und klingen nicht gedämpft.

Akkulaufzeit

Strom bezieht das Honor View 10 aus einem fest verbauten 3.750-Milliamperestunden-Akku. Im Test erweist sich dieser als sehr ausdauernd. Erst nach 11 Stunden und vier Minuten schaltete sich das Smartphone beim Akkutest von PCMark ab - ein Spitzenwert. Im Alltag werdet ihr mit einer Akkuladung also problemlos durch den Tag kommen und je nach Nutzungsintensität, Einstellungen und Mobilfunverbindung noch genügend Reserven für einen halben oder gar ganzen weiteren Tag haben.

Das Aufladen des Akkus dauert zudem nur kurze Zeit. Mit dem verwendeten Netzteil lässt sich der Energiespeicher binnen 30 Minuten von 0 auf 50 Prozent füllen, ein voller Ladezyklus dauerte im Test knapp 80 Minuten. Nutzt ihr ein anderes Netzteil als das mitgelieferte, müsst ihr euch dagegen auf eine deutliche längere Ladezeit von bis zu drei Stunden einstellen. Drahtlos aufladen lässt sich das Honor View 10 nicht.

Kamera

Dank des KI-Co-Prozessors soll das View 10 schnell erkennen können, was ihr fotografieren wollt und die Kamera-Einstellungen dementsprechend anpassen. Hier wurde Redaktionshund Sunford korrekt als Hund identifiziert.
Dank des KI-Co-Prozessors soll das View 10 schnell erkennen können, was ihr fotografieren wollt und die Kamera-Einstellungen dementsprechend anpassen. Hier wurde Redaktionshund Sunford korrekt als Hund identifiziert. (Quelle: Screenshot)

Das Honor View 10 bietet für Foto- und Videoaufnahmen eine Dual-Kamera. Diese besteht wie beim Mate 10 Pro aus einem Monochrom-Sensor mit einer Auflösung von 20 Megapixeln und einem Farbsensor mit 16 Megapixeln. Die Kombination erlaubt sowohl Fotos mit Bokeh-Effekt als auch das Hereinzoomen in das Bild ohne nennenswerte Verluste, dies ist beim View 10 bis zu zweimal möglich. Danach wechselt das Smartphone auf den Digitalzoom und die Bildqualität nimmt spürbar ab. Videos zeichnet das Honor View 10 in 4K auf. Für Selfies steht eine 13-Megapixel-Frontkamera bereit, auch diese bietet einen Bokeh-Effekt. Dieser ist aber rein software-basiert und arbeitet daher mitunter fehlerhaft.

Anders als bei früheren Honor-Modellen schränkt der Hersteller die Fähigkeiten des Kamera-Moduls nicht künstlich ein. Euch stehen in der App dieselben Funktionen zur Verfügung wie beim Mate 10 Pro. Im Pro-Modus könnt ihr sogar Fotos im RAW-Format abspeichern. Dem Kamera-Modul fehlt im Vergleich aber ein optischer Bildstabilisator. Das erhöht die Verwacklungsgefahr. Vor allem bei schwachen Lichtverhältnissen braucht ihr angesichts der längeren Verschlusszeiten eine ruhige Hand oder ihr verwendet ein Stativ.

Kamera-Samples Honor View 10

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Beim Fotografieren soll euch übrigens die erwähnte NPU-Einheit des Prozessors unterstützen. So soll das Honor View 10 binnen Bruchteilen einer Sekunde erkennen, was ihr fotografieren wollt und das passende Szenenprogramm wählen. Im Test erkannte die Kamera wirklich eigenständig diverse Situationen wie "Portrait", "Textscan" und "Tierfoto". Dieselbe Funktion bieten aber auch Smartphones ohne NPU-Einheit, einen großen Unterschied konnten wir im Test in Sachen Geschwindigkeit auch nicht erkennen. Bleibt abzuwarten, ob Honor künftig die NPU-Einheit noch für weitere Zwecke nutzen wird. NPU hin oder her, das Ergebnis stimmt. Das Honor View 10 schießt detailreiche und scharfe Bilder mit einer natürlichen Farbwiedergabe. In der Mediengalerie findet ihr entsprechende Beispielbilder.

Preis und Verfügbarkeit

Das Honor View 10 ist seit Ende Dezember 2017 in Deutschland erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für das Smartphone lautet 499 Euro. Damit unterbietet Honor die UVPs von Galaxy und Co, um 300 Euro. Im Vergleich zu den aktuellen Straßenpreisen fällt die Ersparnis zwar deutlich geringer aus, ist aber immer noch signifikant. Aktuelle Angebote für das View 10 findet ihr am Ende des Artikels.

Honor View 10: Fazit

Ein Galaxy S8 zum halben Preis 8.8/10

Ein großer Screen im handlichen Format, eine ordentliche Performance, viel Speicher und eine lange Akkulaufzeit - das Honor View 10 ist aktuellen Top-Smartphones in nahezu allen Punkten ebenbürtig, teilweise sogar überlegen und das zu einem sehr moderaten Preis.

Das hat uns gefallen

  • lange Akkulaufzeit
  • Performance
  • großer Gerätespeicher
  • Infrarotsender

Das hat uns nicht gefallen

  • Bloatware
  • keine Animoji
  • kein USB 3.1
Testnote 8,8 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
8,0 / 10
Design und Verarbeitung
9,0 / 10
Ausstattung und Bedienung
9,0 / 10
Sprachqualität
10 / 10
Akkulaufzeit
8,0 / 10
Multimedia
Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt vier Wochen leihweise von Honor zum Testen zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

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